16.09.2014

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Mythos Kriegsmarine

16 zu 9 FormatStereo

Geschichte im Ersten

Samstag, 26.01.2013 ǀ 20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)

Diese Rolle kam ihr vor allem beim Überfall auf Dänemark und Norwegen im April 1940 zu. Die Dokumentation beweist anhand konkreter Beispiele, dass von einer "sauberen" Kriegsführung keine Rede sein kann: Unmittelbar nach Kriegsbeginn torpedierte ein deutsches U-Boot das britische Passagierschiff "Athenia" ohne erkennbaren Grund. 112 Zivilisten kamen dabei ums Leben, die Tat wurde sorgsam vertuscht. Deutsche U-Boote versenkten im Nordatlantik zahllose Handelsschiffe ohne Warnung, also ohne Möglichkeit für Besatzung und Passagiere, die Schiffe zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen - entgegen einem internationalen Abkommen, dem Deutschland noch 1936 beigetreten war.
Nicht nur auf hoher See schickte Hitlers Marine von 1939 bis 1945 Tausende Männer in den Tod, sondern auch beim Bau zahlreicher U-Boot-Bunker. Allein in Bremen-Farge starben beim Bunkerbau mindestens 500 KZ-Häftlinge durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen. Angehörige der britischen und norwegischen Marine wurden nach einer Kommandoaktion von der deutschen Kriegsmarine dem Sicherheitsdienst zur Erschießung übergeben, anstatt sie als Kriegsgefangene zu inhaftieren.
Harmlose dänische Fischkutter wurden in der Nordsee von einem Marineverband grundlos versenkt. Auch diese Tat wurde vertuscht. Der 1980 verstorbene Großadmiral Karl Dönitz ist noch heute der bekannteste Vertreter der Kriegsmarine. Dönitz, der nach Hitlers Selbstmord für kurze Zeit an der Spitze des untergehenden Deutschen Reichs stand, stilisierte sich nach dem Krieg als unpolitischen Offizier, der vom mörderischen Treiben des NS-Staates nichts gewusst haben will. Von seinen Männern verehrt, wurde er zur Inkarnation des Mythos von der sauberen Kriegsmarine. Tatsächlich war Dönitz bis zuletzt ein überzeugter Anhänger des Nationalsozialismus, ein Antisemit, der unmenschliche Befehle ausgab und als Kriegsverbrecher verurteilt worden ist.

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