22.09.2014

Kultur

Markus Lüpertz

16 zu 9 FormatStereo

Thema: Deutschlands Künstler

Sonntag, 30.12.2012 ǀ 20:15 - 21:00 Uhr (45 Min.)

Seine emotionale Seite kann er am besten in seiner Lyrik und am Klavier ausdrücken. Mit befreundeten Jazzmusikern improvisiert er gerne bei seinen Ausstellungseröffnungen am Flügel.
Lüpertz' Werke polarisieren, besonders im öffentlichen Raum: Gerhard Schröder, damals noch Bundeskanzler ließ die Lüpertz-Skulptur Die Philosophin im Kanzleramt aufstellen, in Augsburg dagegen wurde seine "Aphrodite" gar nicht erst in der Altstadt aufgestellt, der Künstler habe eine "Affront-Dite" geliefert, Lüpertz' schaumgeborene Göttin sei nicht Kunst, sondern hässlich. In Salzburg wurde sein "Mozart" geteert und gefedert, "Mozarts Leichtigkeit und diese Oberschenkel, das passt doch nicht zusammen", hieß es. Unbeirrt von Anfeindungen arbeitet der Künstler weiter. In der Düsseldorfer Kunstgießerei Schmäke gestaltet er mit Brenner und Pinsel eine riesige Bronze-Skulptur, die Athene und auch seinem Idol, dem Dichter Hölderlin, widmet er eine Bronzeskulptur.
Lüpertz spricht von seinem Dilemma, wenn es um den Wert seiner Arbeiten auf dem internationalen Kunstmarkt geht: Wenn Gerhard Richter und ich in eine Kneipe gehen, werde ich erkannt, nicht Gerhard Richter, bei den Bildern ist es umgekehrt . Ganz zu schweigen von den Kunstkritikerinnen und Kuratorinnen, die seine Kunst früher mit schlechten Kritiken überhäufen und ihn heute ignorieren, weil sie ihn für einen Macho halten.
Markus Lüpertz wird 1941 im nordböhmischen Reichenberg, heute Liberec, in Tschechien, geboren. Seine Eltern fliehen mit ihm 1948 nach Rheydt/Mönchengladbach. Seit er denken kann, will Lüpertz Künstler werden. An der Werkkunstschule Krefeld angenommen, muss Lüpertz für sich selber sorgen, arbeitet im Bergbau unter Tage und bei der Fremdenlegion. Nach nur einem Semester endet der Akademiebesuch in Düsseldorf 1961 als "riesiges Fiasko", Lüpertz muss wegen einer Schlägerei die Akademie verlassen. Er geht als freier Künstler nach Berlin und schlägt sich mehr schlecht als recht durch. Seine Ausstellung "Dithyrambische Malerei" erregt 1964 Aufsehen, sein Werk wird als neoexpressionistisch, ausdrucksstark, jung und wild bezeichnet.
Mit 30 Jahren nimmt er als jüngster Kunstprofessor Deutschlands eine Professur an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe an. 1986 folgt sein persönlicher Triumph: Lüpertz kehrt an die Kunstakademie Düsseldorf als anerkannter Künstler und Professor zurück, wird Rektor. Neben Skulpturen, die er seit den 80er Jahren anfertigt, gehört die Gestaltung von Kirchenfenstern zu seinen jüngeren Arbeiten. Einst den "Neuen Wilden" zugeordnet, gilt Lüpertz heute als einer der wichtigsten bildenden Künstler Deutschlands.
Markus Lüpertz ist Maler und Bildhauer, Lehrmeister, Künstler und Kunstliebhaber, Freund alter Werte, der die Republik verblöden sieht, die Wiedervereinigung als Virus und die gegenwärtige Republik als zu vernünftig , und doch immer noch nach Idealen strebt und mit immenser Ungeduld sein Werk erweitert und vorantreibt, um mit seiner Kunst unsterblich zu werden. So wird Deutschland deine Künstler - Markus Lüpertz zu einem intimen und einzigartigen Portrait dieses ungewöhnlichen, eigensinnigen Mannes.
Im Film kommen auch Lüpertz' langjährige Weggefährten und Freunde zu Wort - sein Galerist Michael Werner, der Maler Georg Baselitz, Gerhard Schröder, Otto Schily und der Unternehmer Jürgen Großmann.

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