23.05.2013

Kultur

Hitlers Ordensburgen

4 zu 3 FormatStereo

Film von Peter Prestel und Rudolf Sporrer

Samstag, 22.12.2012 ǀ 21:02 - 21:45 Uhr (43 Min.)

In den Ordensburgen der NSDAP sollte die zukünftige Führungselite des "Tausendjährigen Reiches" ausgebildet werden. Doch schon zu Zeiten der Nazidiktatur war wenig bekannt, was sich in den Gemäuern abspielte. Wieso wurden unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler neue "Burgen" errichtet, was passierte hinter ihren Mauern?
Die nationalsozialistischen Ordensburgen waren mystische Orte: meterhoher grauer Stein, nachempfundene "Thing-Stätten", trutzige Bauwerke voller Anspielungen auf vergangene Zeiten. Entgegen den anderen Gebäuden, mit denen die Nazis Europa überzogen, den Konzentrations- und Vernichtungslagern, waren die Ordensburgen keine Orte des Schreckens und Grauens, zumindest nicht unmittelbar.
In einer gewissen Weise waren die 'Burgen' so etwas wie die Kathedralen des Nationalsozialismus. In diesen monumental angelegten Eliteschmieden wurde der nationalsozialistischen Ideologie an sich gehuldigt und man zog hier etwas Neues heran, das mit den KZs in Zusammenhang steht: einen durch und durch nationalsozialistisch indoktrinierten Menschen. Spätere Kriegsverbrecher und SS-Kommandeure kamen aus den Kaderschmieden der Ordensburgen.
In diesen pseudomittelalterlichen Gemäuern wurde eine pervertierte Moral in einer pseudoreligiös anmutenden Weise vermittelt: "Diese Burgen mussten in ihrer Wirkung und Größe den Gedanken entsprechen, die in ihnen verkündet werden. Diese Burgen durften nicht allein groß und gewaltig, neu und zweckmäßig sein, sondern sie mussten auch die Schönheit verkörpern und die Lebensfreude, die der Nationalsozialismus atmet. Mit einem Wort: diese Burgen mussten denjenigen, die in ihnen zu nationalsozialistischen Führern erzogen werden sollen, jeden Tag von neuem ein Sinnbild der Größe und der Würde der nationalsozialistischen Weltanschauung sein." So führt es der Erfinder dieser Institutionen aus, der Reichsarbeitsführer Robert Ley, einer der "Pädagogen" des Reichs. Er stilisiert Rassismus, Massenmord und Kriegsapokalypse zu einer großen und würdevollen Idee.
Robert Ley verkündete in einem 1937 erschienenen Machwerk auch das Ziel der Junkerausbildung auf den Ordensburgen: "Wir wollen wissen, ob diese Männer den Willen zum Führen in sich tragen, zum Herrsein." Die Saat des "Herrsein", des Hasses und des Überlegenheitsgefühls sollte in den Konzentrations- und Vernichtungslagern aufgehen. Im Dritten Reich existierten drei dieser Parteischulungsstätten: die Falkenburg bei Crössinsee in Pommern, Vogelsang in der Nordeifel und Sonthofen im Allgäu. Vogelsang gilt nach den Parteitagsbauten in Nürnberg als die zweitgrößte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland. Die Auswahl der Jugendlichen und jungen Männer war derart elitär und über die Erziehungsmethoden so wenig bekannt, dass die NS-Ordensburgen in Zeiten des Dritten Reiches sagenumwoben blieben. Das mythisch verbrämte Vorbild der Nazis waren die Ordensburgen des Deutschen Ritterordens in Ostpreußen, mit dem sie inhaltlich in keiner Weise etwas zu tun hatten.
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