25.10.2014

Kultur

Geschichte im Ersten: De Gaulle und Adenauer

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Eine deutsch-französische Freundschaft

Sonntag, 27.01.2013 ǀ 18:30 - 19:15 Uhr (45 Min.)

Sie waren beide sehr gespannt auf den Anderen, als sie sich am 14. September 1958 zum ersten Mal trafen: Konrad Adenauer fürchtete, in De Gaulle einen kriegerischen General zu treffen, der die Deutschen, die er sein Leben lang bekämpft hatte, immer noch hasst - 13 Jahre nach Ende des letzten Krieges.
De Gaulle, seit wenigen Wochen französischer Ministerpräsident, hatte deshalb eine demonstrative Geste gemacht und den deutschen Bundeskanzler in sein privates Landhaus nach Colombey-les-deux-Églises eingeladen, etwas, das er nie zuvor mit einem Politiker getan hatte und auch niemals danach tat.
Als Adenauer sich am nächsten Mittag verabschiedete, war so etwas wie ein Wunder geschehen: Die beiden Politiker hatten spontan eine herzliche Beziehung zueinander gefunden und waren jetzt fest entschlossen, die alte Feindschaft zwischen Deutschland und Frankreich endgültig zu beenden, ihre Völker auszusöhnen und eine enge politische Zusammenarbeit zu beginnen.
Beide Männer empfanden die ungeheure Last der deutsch-französischen Geschichte, Kriege, Konflikte und wechselseitige Demütigungen, wie sie auch in ihrem persönlichen Leben von Anfang an spürbar war.
Als Konrad Adenauer 1876 in Köln auf die Welt kam, lag die Reichsgründung gerade fünf Jahre zurück und die Deutschen waren überschwänglich begeistert von Bismarck, dem gewonnenen Krieg 1870/71 und der Proklamation des preußischen Königs zum deutschen Kaiser. Dass diese deutsche Reichsgründung ausgerechnet im Schloss von Versailles stattfand, im mythischen Herzen Frankreichs, und inmitten eines schrecklichen Krieges, war umgekehrt für die Franzosen eine ungeheure Demütigung.
Charles de Gaulle, 1890 in Lille geboren, wuchs auf in einer Stimmung von Rache und Revanche. Schon als Jugendlicher beschloss er, Soldat zu werden, um die Deutschen im nächsten Krieg siegreich schlagen zu können. Im Ersten Weltkrieg wurde der junge Hauptmann de Gaulle in der Schlacht um Verdun schwer verwundet und geriet in deutsche Gefangenschaft.
Konrad Adenauer wurde 1917, gegen Ende des Krieges, Oberbürgermeister von Köln. Den Friedensvertrag von Versailles, 1919, hat er genauso als einseitig und ungerecht empfunden wie Millionen andere Deutsche, aber zugleich war er einer der wenigen, die hinter der Härte des Vertrags die ungeheure Angst der Franzosen vor einem neuen deutschen Angriff spürten. Seit 1919 überlegte Adenauer deshalb immer wieder, wie man zu einem dauerhaften Frieden mit Frankreich und damit für Europa kommen könnte.
1933 kam Hitler an die Macht mit seiner sehr populären Erklärung, er werde den Versailler Vertrag revidieren, Punkt für Punkt und notfalls durch Krieg. Zugleich wurde der Kölner Oberbürgermeister Adenauer von der SA aus Köln und aus seinem Amt gejagt. Als Hitler im Mai 1940 seine Versprechen wahr machte, Frankreich angriff und binnen weniger Wochen besiegte, war es General de Gaulle, der nach London flog und das schier Aussichtslose erklärte: dass der Kampf weitergehen und dass man die Deutschen aus Frankreich vertreiben werde.
Vier Jahre später, im August 1944, war Paris tatsächlich eine befreite Stadt und de Gaulle, der über die Champs Èlysées einzog, der Held der Stunde. Das waren genau die Tage, in denen Adenauer in Rhöndorf bei Bonn plötzlich von der Gestapo verhaftet und mit dem Tod bedroht wurde.
Am Ende des Krieges, 1945, war es unvorstellbar, dass diese beiden Völker sich jemals aussöhnen könnten. Vier Jahre nach ihrem ersten Treffen von Colombey-les-deux-Èglises, 1962, machten beide Politiker Staatsbesuche in das jeweilige Nachbarland, die bei beiden Bevölkerungen so viel Begeisterung auslösten, dass Adenauer und de Gaulle beschlossen, diese neue Freundschaft mit einem Vertrag zu krönen und zu festigen.

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