02.10.2014

Kultur

Deutsche Dynastien - Die Thyssens

16 zu 9 FormatStereo

Film von Julia Melchior und Sebastian Dehnhardt

Sonntag, 03.02.2013 ǀ 21:45 - 22:30 Uhr (45 Min.)

Erstmalig und exklusiv für diese Dokumentation gewähren Firma und Familie der Öffentlichkeit einen tiefen Einblick in ihre 140-jährige Geschichte, die wie kaum eine andere die Höhen und Tiefen der deutschen Zeitgeschichte widerspiegelt. Unveröffentlichtes Filmmaterial aus Familienbesitz sowie zahlreiche Interviews mit den Nachkommen aus allen Familienzweigen beschreiben die Geschichte der Thyssens nicht nur höchst persönlich und emotional, sondern auch mit bisher unbekannten Perspektiven auf die dramatischen Lebenswege der herausragenden Persönlichkeiten.
Der Gründer der Dynastie August Thyssen (1842-1926) schafft zu Lebzeiten aus einem Walzwerk an der Ruhr einen Konzern von Weltruf, der vom Rohstoff bis zum Fertigprodukt den Markt beherrscht. Er steht für eine steile Industriekarriere im 19. Jahrhundert. Unternehmergeist, Arbeitsfanatismus und grotesker Geiz bescheren ihm das Glück des Tüchtigen, aber glücklich wird August Thyssen nicht in seinem Leben. Denn die stählerne Härte, die den Grundzug seines Wesens ausmacht, entfremdet ihn mehr und mehr von seiner Familie.
Nach August Thyssens Tod geht das Stahlimperium auf seinen ältesten Sohn Fritz (1873-1951) über, in dessen Leben sich die Geschichte des Dritten Reichs höchst dramatisch widerspiegelt. Kaum ein anderer Großindustrieller trägt - in glühender Begeisterung für die Nationalsozialisten - so entscheidend zur Machtergreifung Hitlers bei wie Fritz Thyssen. Als er nach dem Röhm-Putsch 1934 seine Irrungen hinsichtlich des verbrecherischen Systems der Nazis erkennt, opponiert er offen gegen das Regime und riskiert sein Leben. Auf der Flucht vor den Nazis ins argentinische Exil geraten Fritz und seine Frau Amélie in die Fänge der Gestapo. Bis Kriegsende werden Fritz und Amélie Thyssen in Konzentrationslagern interniert sein und entgehen nur knapp dem Tod. Das Vermögen wird von den Nazis beschlagnahmt, das Unternehmen gerät unter Staatskontrolle. Die Restitution seines Vermögens und die Wiederinbetriebnahme des ersten Hochofens nach dem Krieg erlebt der Stahlmagnat nicht mehr. Freigesprochen von Schuld, aber als gebrochener Mann stirbt Fritz Thyssen 1951 in Argentinien.
Die Kunstschätze der Thyssens aber haben den Krieg unbeschadet im Familienbesitz überdauert und werden 1947 an Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza (1921-2002) vererbt. Mit ausgeprägtem Kunstverstand und kaufmännischem Geschick baut Hans-Heinrich sein Erbe zur größten privaten Kunstsammlung neben jener der britischen Queen aus. Heute beherbergt das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid den Thyssen'schen Kunstschatz und zählt damit zu einer der größten kulturellen Attraktionen der spanischen Hauptstadt. "Heini", wie Hans-Heinrich Thyssen-Bornemisza allgemein genannt wird, gilt als "Sammler alter Meister und schöner Frauen". Wechselnde Ehen mit Erbprinzessinnen und Schönheitsköniginnen, Streitereien um Geld und Vaterschaft liefern den Boulevardblättern stetig Details aus der Welt der Reichen und Superreichen. Als "Society-Prozess des Jahrhunderts" gerät Ende der 1990er Jahre ein Rechtsstreit in die Presse, den Heini gegen seinen ältesten Sohn um das auf drei Milliarden Euro geschätzte Familienvermögen führt. Mit dem Tod des großen Mäzens im Jahr 2002 scheint der Vorhang über das Schauspiel des Familienepos gefallen zu sein.
Doch noch immer tragen die Nachkommen der Familienzweige das Erbe ihrer Vorväter fort. Heinis Tochter Francesca von Habsburg hat sich als Mäzenin zeitgenössischer Kunst einen Namen gemacht.

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