02.10.2014

Kultur

Der Katakombenpakt

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Das geheime Vermächtnis des Konzils

Montag, 24.12.2012 ǀ 23:00 - 23:45 Uhr (45 Min.)

Der Text wird in Lateinamerika die "Theologie der Befreiung" und die "Option für die Armen" befeuern. Papst Paul VI. bekommt ihn überreicht - dann scheint seine Spur plötzlich zu verschwinden. Dabei ist schon die Anweisung Jesu eindeutig: "Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen." (Mt 6,20).
Durch alle Jahrhunderte hinweg und bis in die Gegenwart hinein scheint die Kirche diese Worte vergessen zu haben. Paläste und kirchliche Prunkbauten entstanden und entstehen. Allein die Papstreise 2011 nach Deutschland kostete weit mehr als 35 Millionen Euro. Hat die Kirche ihren Auftrag vergessen, an der Seite der Armen zu stehen und für sie Partei zu ergreifen? Mit diesen Fragen war schon der brasilianische Bischof Dom Helder Câmara zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) nach Rom gereist. Nacht für Nacht notiert er während der Konzilssitzungen seine Gedanken. Es sind sehr persönliche Notizen, geprägt von weitreichenden Visionen für eine Erneuerung der Kirche und für eine gerechtere Welt.
Helder Câmara war ein Netzwerker und hatte großen Einfluss auf die Diskussionen des Konzils. Er engagierte sich mit anderen Bischöfen für eine "dienende und arme Kirche". Als 1965 das Konzil ohne ein klares Statement zu Armut und Gerechtigkeit in der Welt zu Ende geht, unterzeichnen sie den Katakombenpakt - das Gegenmodell zu einer feudalen, hierarchisch organisierten, selbstherrlichen Kirche, die oft genug an der Seite der Mächtigen und Reichen steht. 2012 jährt sich der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zum 50. Mal.
Das Jahrhundertereignis endete mit wegweisenden Texten, ließ aber auch wichtige Fragen ungelöst. Vor allem das Verhältnis von Kirche und Welt, die Antwort der Kirche auf drängende Fragen der Zeit, auf Fragen der Sexualität, Bevölkerungsexplosion und Armut blieben ungeklärt. Daraus sind in den Folgejahren tiefe Gräben und Konflikte entstanden. Die aktuelle Krise der katholischen Kirche ist ohne diese Entwicklung nicht zu verstehen. In Europa verliert sie ständig Mitglieder, in Lateinamerika machen ihr charismatische Sekten zu schaffen, in der ganzen Welt hat sie wegen des Missbrauchs von Kindern durch Geistliche dramatisch an Glaubwürdigkeit und moralischer Substanz verloren. Hat das Konzil eine Chance verpasst - oder hat die nachkonziliare Kirche die Impulse des Konzils erstickt?
Die Dokumentation von Bernd Seidl und Wolfgang Rommel erzählt die Geschichte des Katakombenpakts und seiner Entstehung. Originaldokumente, Archivmaterial und Zeitzeugen zeichnen ein eindrucksvolles Bild vom lebhaften Geschehen hinter den Kulissen des Konzils. Im Mittelpunkt steht dabei das Engagement Dom Helder Câmaras. Ganz konsequent lebte er nach den Vorgaben des Katakombenpakts, verzichtete auf einen Dienstwagen, zog mitten in ein Armenviertel. Aber vor allem engagierte er sich politisch für die Rechte der Armen.
Rekonstruktionen (mit Florian Münzer als Dom Helder Câmara) setzen seine nächtlichen Meditationen und seine Aktivitäten in Szene. Seine Lebenswelt vor allem in Olinda und Recife wird mit aktuellem Bildmaterial und historischen Material geschildert. Gleichzeitig dokumentiert der Film aber auch, was aus diesem Engagement des "Bischofs der Armen" geworden ist und fragt nach der aktuellen Situation der katholischen Kirche auf dem Hintergrund der Ideen des Katakombenpakts, der jetzt erst wiederentdeckt wird.

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